Dokumentarfilme

DIE ROMIKA STORY

2022
ein Dokumentarfilm von Renate Werner

Eine Produktion von Lichtblick Film im Auftrag des WDR für Geschichte im Ersten

44 Minuten


Mediathek Geschickte im Ersten



SYNOPSIS


Gummistiefel, Segelschuhe oder Pantoffel von Romika gibt es seit 100 Jahren – und bis heute hat die Weltmarke nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Romika gehört inzwischen zu Europas größtem Schuhkonzern Deichmann. Doch hinter der Traditionsmarke verbirgt sich ein dunkles Geheimnis, das die Chronisten der Firma lange verschwiegen haben. Es sollte bis in unsere Zeit dauern, dass eine erste Zeitzeugin wagte, Zweifel an der offiziellen Firmen-historie zu äußern. Und dann recherchiert ein Anwalt aus den USA die Geschichte seiner Großeltern, die eigentlichen Gründer von Romika. 


Man muss tief graben, um alle Teile der Geschichte aufzuspüren: Hinter Romika steckt die dramatische Geschichte des rheinischen Schuhpioniers Hans Rollmann, der mit zahlreichen Patenten eine der großen Schuhfirmen Deutschlands aufgebaut hat. Zwei Fabriken in Köln und Trier geben selbst nach der großen Wirtschaftskrise 1929/30 mehr als tausend Menschen Arbeit und Lohn. Doch dann geht die so erfolgreiche Firma plötzlich in Konkurs. Selbst das Privathaus der Familie in Köln kommt unter den Hammer. 


Der Makel des tüchtigen Geschäftsmanns: er ist Jude. Nach der Machtergreifung Hitlers wird seine Firma durch Rohstoff-Boykott und Kündigung von Krediten in den Ruin getrieben – eine Blaupause für die Ausplünderung abertausender jüdischer Geschäfte und Unternehmen. Sie werden vom Staat konfisziert und an Mitläufer und Mittäter des Naziregimes übertragen. 1936 übernimmt ein Parteimitglied die lukrativen Geschäfte der Romika, Hellmuth Lemm. Bald sorgen Rüstungsaufträge der Wehrmacht für ungeahnte Profite, zumal mit ukrainischen Zwangsarbeiterinnen die Lohnkosten auf ein Minimum gedrückt werden.


Der eigentliche Romika-Gründer Hans Rollmann kann sich zunächst nach Brüssel retten, er kämpft von dort um seine Patente. Doch dann greift im 2. Weltkrieg die Wehrmacht das neutrale Belgien an. Die Familie flüchtet nach Calais, die deutschen Truppen im Nacken. Als kein Schiff sie aufnimmt, töten sich Hans Rollmann und seine Frau mit einer Überdosis Insulin. Der Schwiegertochter jedoch gelingt mit ihrem kleinen Kind die Flucht über Land nach Süden. In Lissabon können sie endlich per Schiff nach Amerika entkommen. 


Nach Kriegsende wollen die Deutschen den Unbill der Nazizeit möglichst schnell vergessen. Romika tragen: Wohlbehagen wird zum Slogan gepflegter Häuslichkeit. Die zweite Generation der Lemms übernimmt den Betrieb und zählt in den 1990er Jahren zu den 400 reichsten deutschen Familien. Noch 2006 wird das 70jährige Jubiläum der Romika-Gründung ungeniert groß gefeiert. Dass die Firma viel weiter zurückreicht, will niemand wissen, auch die lokalen und überregionalen Medien nicht.


Es dauert bis in unsere Zeit, dass der Urenkel von Hans Rollmann nach Deutschland reist, um mehr über seine Familie zu erfahren. Die Fernseh-Journalistin Renate Werner greift die Geschichte auf, findet bislang unveröffentlichte Archivaufnahmen und dreht mit Zeitzeugen an den Originalschauplätzen. Mehr noch: sie initiiert ein Treffen zwischen den beiden Familien. Ist nach so langer Zeit ein Verständnis möglich?



 


MIT
Carl Liederman
Björn Lemm
Wolfgang Knapp
Anna Maria Körholz
Ralf Kotschka




TEAM
Buch und Regie Renate Werner
Produzent Carl-Ludwig Rettinger
Redaktion Adrian Lehnigk
Kamera Joel Stängle, Georg Zengerling, Dieter Stürmer
Ton Aljosche Haupt, Jule Vari
Schnitt Dirk Hergenhahn, Oliver Held
Sprecher Signe Zurmühlen, Bruno Winzen, Hildegard Meier
Mischung Gerd Nesgen
Animation und Grafik Stefan Petschinka, Thomas Schmidl
Grading: Holger Hessinger


 


ARCHIVMATERIAL u.a.
Shoa Foundation, United States Holocaust Memorial Museum,
Cinematek Belgien, GPA, NARA, Pond5, GeoBasisi Berlin,
RBB, SWR, WDR, Wolfgang Knapp Büro KulturGut Mannheim,
Deutsches Schuhmuseum Hauenstein
Privatarchive Liederman, Lemm, Calchera, Rollman, Jakobs